Studie: Ampelparteien verlieren massiv an potentiellen Wählern in unterer Mittelschicht

Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung haben die Ampelparteien bei Einkommensschwächeren massiv an Vertrauen und an potentiellen Wählern verloren. Bei der unteren Mittel- und der Unterschicht sind SPD, Grüne und FDP m Vergleich zur Bundestagswahl überproportional stark abgestürzt.

shutterstock/Johnny Habell

In diesem Milieu kommen SPD, Grüne und FDP kommen der Umfrage zufolge nur noch auf 21 Prozent gegenüber 46 Prozent bei der Bundestagswahl 2021. Es handelt sich dabei um Wähler, die einkommensmäßig zur Unterschicht gehören, um Anschluss bemüht sind, aber oft Ausgrenzungserfahrung machen müssen.

Im nostalgisch-bürgerlichen Milieu, dessen Vertreter zur unteren Mittelschicht zählen, vorwiegend traditionelle Werte vertreten und von Abstiegsängsten verfolgt werden, verlieren die Ampelparteien laut der Studie sogar 29 Prozentpunkte und kommen zusammen nur noch auf 17 Prozent.

Anders als in der Ober- und oberen Mittelschicht können die Unionsparteien von den Verlusten der Ampel-Parteien kaum profitieren und konnten lediglich einen Zuwachs von sieben Prozentpunkten aufweisen. Die AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht schneiden da wesentlich besser ab, zeigt die Studie.

„Viele Menschen vor allem aus den sozial schwächeren Milieus und der Mitte fühlen sich von den Parteien der Bonner Demokratie nicht mehr hinreichend repräsentiert“, werden die Autoren der Umfrage, Robert Vehrkamp von der Bertelsmann Stiftung und Silke Borgstedt von der Sinus Markt- und Sozialforschung, im Magazin „Der Spiegel“ zitiert.

 „Viele Menschen vor allem aus den sozial schwächeren Milieus und der Mitte fühlen sich von den Parteien der Bonner Demokratie nicht mehr hinreichend repräsentiert“, schreiben die Autoren der Umfrage, Robert Vehrkamp von der Bertelsmann Stiftung und Silke Borgstedt von der Sinus Markt- und Sozialforschung.

Der Wechsel der sozial Schwächeren ins Lager der Nichtwähler oder zu populistischen Parteien gefährde die Stabilität der politischen Mitte, erschwere Regierungsbildungen und könne „im Extremfall zur partiellen Beschädigung oder zunehmenden Dysfunktionalität des parlamentarischen Regierungssystems führen“, so Vehrkamp und Borgstedt.

Die Autoren der Studie erklären diese Entwicklung unter anderem damit, dass sich Ampel und Union vor allem mit der gegenseitigen Konfrontation beschäftigt seien. Dies führe zu Verlust an Vertrauen und Zuversicht in erster Linie bei der Wählerschaft der Mitte. Deutlich zeige sich dies bei der Debatte über die Schuldenbremse. Eine Mehrheit wünsche sich mehr Investitionen in Schulen, Infrastruktur und Klimaschutz – auch wenn dafür höhere Staatsschulden erforderlich seien.

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